Virtual-Reality und Computersimulation verändern die Fahrzeugentwicklung massiv


Interview mit Jörg Astalosch, CEO bei Italdesign
Italdesign entwickelt Dienstleistungen für die Automobilindustrie. Mit Hilfe von digitalen Verfahren, wie Computer-Simulation, 3D-Druck oder Virtual Reality werden neue  Fahrzeuge und Industrieprodukte entwickelt, Produktionsprozesse individualisiert und beschleunigt. Jörg Astalosch, CEO bei Italdesign, wird beim kommenden Next Drive-Kongress zu Gast sein. Wir haben im Vorfeld mit ihm gesprochen.


Wie wird sich das Aussehen von Fahrzeugen im Zuge ihrer Autonomisierung  verändern? Werden wir in Zukunft überhaupt noch von Autos sprechen?

Wir sehen bei Italdesign zwei ganz extreme Änderungen kommen. Das autonome fahren und die zunehmende Elektrifizierung. Die Elektrifizierung führt zu einer möglichen anderen Proportionierung der Fahrzeuge. Extrem gesprochen müssen Sie ein Volumen weniger unterbringen, da Sie für Kraftstoffbehälter und Antriebe anderen Raum finden. Dann kommen die Änderungen durch das autonome fahren. Allerdings müssen wir hier definieren auf welchem Level. Nehmen wir die höchstmöglichen an. Dann haben Sie Situationen in denen Sie ein Lenkrad haben und die Möglichkeit sich fahren zu lassen. Oder auch die Situation, dass Sie sich nur noch shutteln lassen. Es ergeben sich daraus sehr hohe Freiheitsgrade im Vergleich zu heute die wir nutzen müssen, um unseren Kunden ein besseren Produkt zu bieten, welches Ihre Bedürfnisse noch besser anspricht.

Welche Materialien werden in Zukunft in der Fahrzeugindustrie dominieren?

Wir sehen zur Zeit viele neue Materialien. Möglich ist generell vieles. Allerdings müssen diese auch wirtschaftlich in der Fertigung darstellbar sein. Ein Budgetcar, welches attraktiv aussieht und mit besten Materialien und höchster Sicherheit gebaut ist, ist sicher einer der größten Herausforderungen. Im Sportwagen oder im Few-Off-Prozess bei extrem hohen Preisen geht das natürlich einfacher und deswegen sehen Sie heute, denke ich, auch dort spannende neue Materialien sehr früh. Generell denke ich, dass wir mehr und mehr lokalisierte Fertigungsstätten sehen werden, die wirtschaftlich produzieren können, auch mit Verfahren wie 3D Druck. Lassen Sie uns aber auch ehrlich sein: es wird noch etwas dauern, bis wir Produktionsstätten wie in Minority Report sehen.

Welche Rolle spielt der 3D-Druck für den Automobilbau?

Ich denke er wird kommen, aber es wird noch dauern. Erste Produkte sehen Sie zum Beispiel in der Personalisierung von Fahrzeugen oder bei Metalldruckverfahren. Ich denke in der Individualisierung wird es anfangen, zum Beispiel mit personalisierten Einstätzen die noch für Sie bei der Werksabholung designt und gedruckt werden.

Wie beeinflussen Virtual Reality und Computersimulation den Entwicklungs- und Herstellungsprozess?

Massiv, sehen Sie sich bitte unser erstes eigenes Auto an, den Zerouno. Durch den Einsatz eines digitalen Prozesses haben wir in 14-16 Monaten nach dem ersten Designstrich einen voll homologierten Kleinseriensportwagen mit der ersten Kundenauslieferung. Das ist natürlich nicht so einfach auf die Großserie zu übertragen, aber es ergeben sich extreme Zeit- und Kosteneinsparungen bei gleicher Qualität. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, dies weiter in unserer Funktion aktiv beim Kunden zu fördern und stehen dafür dann auch gerade.

Wie wichtig sind Kundenanforderungen heute im Designprozess?

Sie müssen der Kern unseres Tun und Handelns sein. Wir müssen den Kunden und seine Bedürfnisse verstehen, die regional, nach Alter oder anderen Kriterien unterschiedlich sind. Erst wenn wir diese verstehen, können wir das richtige Produkt entwickeln, welches auf dem Markt erfolgreich sein sollte. Das ist im Kern „Design Thinking“. Lassen Sie uns aber keine die Erkennung der Bedürfnisse nicht verwechseln mit einer Befragung „Welches Auto hätten Sie gerne“ – da müssen wir schon tiefer schürfen.

Welche Entwicklungen in Ihrer Branche würden Sie sich für die kommenden 5 Jahre wünschen?

Netzwerkdenken über die eigene Industrie hinaus und einen Nachhaltigkeitsanspruch um Mobilität zu erzeugen, die für mehr Menschen erreichbar ist, die verbindet und damit zum Beispiel auch die Durchlässigkeit zwischen leider immer noch vorhandenen sozialen Schichten erzeugt. Ich glaube wir lassen hier viele Chancen links liegen und müssen aktiver werden, sonst werden wir dem Anspruch eines Unternehmers nicht gerecht. Und das heißt nicht, dass ich was verschenken will. Es geht beides.

Jörg Astalosch ist CEO bei Italdesign. Er wird auf dem Next Drive-Kongress in Dresden zum Thema „Human focussed design for intelligent Mobility in Cities“ sprechen.

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